In, aus und für Berlin.

Über Generationen hinweg stark – Mein #Bezirkstag in Spandau

Allzu leicht wird Spandau aus „Berliner Sicht“ abgeschrieben: die da draußen, der Vorort Berlins…
Und ich war auch nicht überrascht, als mir eine Spandauerin an unserem grünen Bezirkstag erklärte, sie fahre nach Alt-Spandau, wenn sie „in die Stadt“ fahre – und nicht nach Berlin. Das sei halt Berlin.

Als ich 2002, 2005 und 2006 hier kandidierte, war dies nicht anders. Aber gewandelt hat sich seitdem vieles. Spandau steht unter dem Druck der Verdrängung aus den Innenstadtbezirken. Und dennoch, vielleicht gerade deshalb nehmen die Spandauer ihr Geschick in die Hand. Der Zusammenhalt der Menschen wird auch durch Institutionen und Akteure gestärkt, die ich besuchen durfte.

Vernetzte Zusammenarbeit – Jugendberatungshaus Spandau

Wenn Jugendliche Probleme in der Schule oder Ausbildung, mit Ämtern oder der Familie haben, sich austauschen und aussprechen wollen, wenn sie Beratung brauchen, können sie sich im Jugendberatungshaus an verlässliche Ansprechpartner*innen wenden. Kai Hamborg von Outreach, dem neuen Träger, bespricht mit uns Beispiele, wie Jugendliche an vermeintlich kleinsten Problemen zu scheitern drohen: kein ÖPNV zur Agentur, der Geldmangel fürs Ticket… Hinter dieser individuellen Verantwortung aber kommt zum Vorschein, wie auch Jugendliche zu den Opfern des Berliner Verwaltungschaos werden können. Den Kampf gegen die Windmühlen hat das Netzwerk des Jugendberatungshauses aufgenommen.

Im Jugendberatungshaus Spandau erläutert Kai Hamborg, wie eng die Berater*innen mit den Jugendlichen zusammenarbeiten.
Im Jugendberatungshaus Spandau erläutert Kai Hamborg, wie eng die Berater*innen mit den Jugendlichen zusammenarbeiten.

Kunst und Musik – Jugendtheaterwerkstatt

„Kreativität braucht offene Arme und offene Räume.“ – Es ist ein beeindruckender Besuch in der Jugendtheaterwerkstatt. Der künstlerische Leiter Hartmut Schaffrin und seine Kolleg*innen leben Theater. Für reguläre Schul- und Willkommensklassen stehen Bühnen, Tanz- und Tonstudios zur Verfügung, damit die Schüler*innen die Vielfalt der Spandauer als Stärke wahrnehmen können. Geflüchtete Jugendliche beweisen mir die Notwendigkeit offener kultureller Angebote: endlich unbeschwert und frei zu sein, nicht nur physisch, sondern auch vom Kopf und vom Herzen her. Das ermöglicht die Kunst.

In der Jugendtheaterwerkstatt probt eine Schulklasse ihren Auftritt.
In der Jugendtheaterwerkstatt probt eine Schulklasse ihren Auftritt.

 

Starke Organisation – Wirtschaftshof Spandau

Ein Mittagessen im Raymons ist nicht nur köstlich (und unbedingt empfehlenswert), sondern kann auch sehr lehrreich sein. Sich mit Gabriele Fliegel, der Vorstandsvorsitzenden vom Wirtschaftshof, und ihren Kolleginnen über die Entwicklung Spandaus zu unterhalten, beinhaltet mehr als einen umfassenden Einblick in die alteingesessene und neue Wirtschaft. Die Vertreterinnen des Vereins haben den gesellschaftlichen Wandel im Blick und unsere Diskussion führt schnell von Start-ups zu den sozialen und ökologischen Herausforderungen – von den notwendigen Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf über lokale Initiativen zur Verringerung von Rohstoffen bis zur Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt. Weitere Treffen sind in jedem Fall angedacht.

Mittagessen im Raymons. (v. l. n. r.) Lisa Paus, MdB - Gabriele Fliegel, Wirtschaftshof - Susanne Zissel, Vorstandsvorsitzende Grüne Spandau - Barbara Müter-Zwisele, HavelKids - Katrin Germershausen, Brose Juwelier - Britta Marschke, GIZ e. V. - Raymon Frost, Raymons - Mia Liefer, Event Managerin - Bodo Byzio und Philipp Kretschmar, beide Vorstand Grüne Spandau
Mittagessen im Raymons. (v. l. n. r.) Lisa Paus, MdB – Gabriele Fliegel, Wirtschaftshof – Susanne Zissel, Vorstandsvorsitzende Grüne Spandau – Barbara Müter-Zwisele, HavelKids – Katrin Germershausen, Brose Juwelier – Britta Marschke, GIZ e. V. – Raymon Frost, Raymons – Mia Liefer, Event Managerin – Bodo Byzio und Philipp Kretschmar, beide Vorstand Grüne Spandau

 

Altersgerecht und inklusiv – Evangelisches Johannisstift

In meiner letzten Bürger*innen-Sprechstunde zum Bundesteilhabegesetz und nach viel Kritik am Gesetz der Großen Koalition lobte eine Bürger*in die Arbeit der Behindertenhilfe im Johannisstift. Ich kenne die Arbeit, die auf dem weitläufigen Areal und darüber hinaus geleistet wird, seit vielen Jahren – deshalb darf ein Besuch am grünen Bezirkstag nicht fehlen.

Gunther Korb und Konrad Hickel vom Johannisstift zeigen die Fuktion der inklusiven Geräte auf dem Gelände.
Gunther Korb und Konrad Hickel vom Johannisstift zeigen die Funktion der inklusiven Geräte auf dem Gelände.

Nach dem Kurzrundgang über das Gelände sprechen wir mit Gunther Korb und Marlies Seedorff über die Rahmenbedingungen für die Behindertenhilfe. Wenig verwunderlich sieht man mit Skepsis auf das neue Teilhabegesetz. Der Austausch mit Betroffenen und den sie unterstützenden Strukturen hätte der GroKo im Vorfeld der Gesetzgebung sicher gut getan.

 

Melden Sie Vorfälle! – Registerstelle Spandau

Endlich hat jeder Berliner Bezirk seine eigene Registerstelle, an die wir Berliner*innen rechtsextreme, homo- und xenophobe oder frauenfeindliche Vorfälle, Übergriffe und Veranstaltungen melden können. Dass Spandau hier ein überdurchschnittliches Problem hat, ist kein Geheimnis. Umso eindrücklicher ist das Engagement der Mitarbeiter*innen. In Absprache mit ihnen verzichte ich hier auf ein Bild vom Besuch zugunsten dieses Aufrufs:

Bezirkstag_Spandau_Registerstelle

 

Kinder sind die Zukunft – Gemeinwesenverein Haselhorst

Stationäre Anlaufpunkte sind für Erwachsene und Familien wichtig für jede Beratung bspw. bei Miet- und Wohnungsfragen. Der Gemeinwesenverein ist ein wichtiger Ansprechpartner in Haselhorst und steht für alle Probleme mit Rat und Tat zur Seite.

Das mobile Spielplatzprojekt des Vereins ist auch für Erwachsene ansteckend.
Das mobile Spielplatzprojekt des Vereins ist auch für Erwachsene ansteckend.

Für Kinder aber sind die vielen kleinen Angebote mindestens ebenso wichtig – draußen, im Kiez. Gefördert von der „Aktion Mensch“ erfahren die Kinder beim mobilen Spielplatzprojekt spielerisch Zusammenhalt, Selbstwirksamkeit und Toleranz. Für mich ein aktiver Ausklang meines Bezirkstages – mit jeder Menge eigener Bewegung.