In, aus und für Berlin.

Kunst, die beflügelt – Mein #Bezirkstag in Charlottenburg-Wilmersdorf

Mit ca. 330 Galerien und jährlich annähernd 3.000 Ausstellungen ist Berlin der größte Galerienstandort Europas. Die Berliner Galerien tragen ganz besonders zur kulturellen Vielfalt der Stadt bei. Bei meinem Bezirkstag in Charlottenburg-Wilmersdorf besuche ich heute einige ausgewählte Galerien des Bezirks.

©BerndSchwarz

Neue Galerie Berlin

Tanja von Unger versteht ihre Galeriearbeit als Plattform für einen breit angelegten gesellschaftlichen Diskurs. Sie präsentiert die von ihr vertretenen Künstler*innen auf internationalen Konferenzen und arbeitet mit Schulen zusammen, um so aktuelle, globale Themen aufzuarbeiten und durch Bilder zu präsentieren. Zusammen mit der Restauratorin Felitzitas zur Lippe und Andreas Herrmann vom Berliner Galerienverband informiere ich mich über die Arbeitsweise und die Herausforderungen, die sich Galerien und Kunsthandel in der sich veränderten Stadt stellen müssen.

Atelier Bernhard Lankers

Als nächstes besuche ich das Atelier von Bernhard Lankers. Er ist für die Denkmalpflege tätig und rekonstruiert bildhauerische Arbeiten für Schlösser und Gemäldegalerien. Auch er hat mit steigenden Mieten und ein sich dadurch verändertes Umfeld zu kämpfen. Seine Werkstatt in der Fasanenstraße gehört zu einer Stiftung, die sich Künstler*innen verpflichtet fühlt und somit ihm und anderen noch ein Arbeiten in der City West ermöglicht.

Werkstatt Markus Dengg

Markus Dengg

Ebenfalls nur durch finanzielle Unterstützung finanziert Markus Dengg seine Werkstatt in der Bleibtreustraße. Dank eines privaten Vermieters kann er sich die Miete dort noch leisten. Die Läden in seinem direkten Umfeld, die Investoren gehören, stehen jedoch weitestgehend wegen zu hohen Mieten leer. Auch hier zeigt sich wieder einmal: die Mietpreisbremse muss endlich scharf gestellt werden.

In seiner Werkstatt restauriert und vergoldet Markus Dengg die Bilderrahmen für Galerien, Museen und Privatkunden.

Galerie Kornfeld

Seit 2012 zeigt die Galerie Kornfeld ihre jährlichen Ausstellungen in den denkmalgeschützten Räumen in der Fasanenstraße 6-8. Dr. Treusch bedauert, dass durch die Rekordeinnahmen der Auktionshäuser der falsche Eindruck entsteht, auch Galerien würden mit Kunst zu großen Reichtümern gelangen. Die Arbeit, das Fördern und Aufbauen von Künstlerinnen und Künstlern, ist eine langjährige intensive Arbeit und hat mit den Spekulationen der Auktionshäuser nichts zu tun.

Galerie Michael Haas

Anna und Michael Haas

Die Galerie Haas widmet sich seit 40 Jahren der Kunst der Klassischen Moderne, der deutschen und internationalen Kunst nach 1945 und der Kunst der Gegenwart. In einem offen Gespräch unterhalten wir uns über die Rahmenbedingungen, unter denen die Galeristen*innen arbeiten müssen. Dazu gehören u.a. die Abgaben ausländischer Künstlerinnen und Künstler an deren berufliche Sozialkasse und das Kulturgutgesetz des Staatsministeriums für Kultur und Medien. Die beiden bedauern außerdem die drohende Kriminalisierung des Kunsthandels und das schlechte Image der Galerist*innen durch die hohen Preise der Kunst bei Auktionen. Meine Berichte über die von uns Grünen geplante Bürger*innenversicherung zur beruflichen Absicherung kommen gut an.

Atelierbesuch beim Berliner Verband der Bildenden Künstler (BBK)

Josias Scharf, Künstler, Bernhard Kotowski, Thomas Schliesser und Herbert Mondry

Im Rahmen des Atelierprogramms des Berliner Senats werden zur Zeit 870 mietpreis- und belegungsgebundene Ateliers in Berlin gefördert. 24 davon befinden sich im Gebäude des UCW – Gründerinnenzentrum Charlottenburg-Wilmersdorf. Wer nicht staatlich oder anderweitig finanziell unterstützt wird, hat es schwer, überhaupt noch künstlerisch tätig zu werden.  Auch die sonstigen Bedingungen erschweren künstlerisches Arbeiten. Viele Kunstschaffende sind besonders von Altersarmut bedroht. Der BBK wünscht sich einen steuerfreien Kunstverkauf, den Schutz und Ausbau der Künstlersozialkasse und die Überprüfung der Regelungen für die Scheinselbstständigkeit, die im Bereich der Freien Künste zu kurz greifen.