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Gleichberechtigung – nicht nur auf dem Steuerformular

In der ersten Maiwoche gab es eine Debatte darüber, dass die Vordrucke für Steuerformulare immer noch nicht geschlechtergerecht sind. Sicher nicht das dringendste Problem bei Steuergerechtigkeit - aber meiner Meinung nach sollte das auch das Finanzministerium nach einigen Jahren Vorlauf schaffen. Über mein Pressestatement regten sich die üblichen Verdächtigten wieder sehr auf. Und ließen dabei wohlweislich weg: Wichtiger als Gleichberechtigung auf dem Papier ist mir die Gleichberechtigung in der Realität.

Foto: Sven Teschke , CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12251806

 

Das Bundesfinanzministerium verfolgt schon seit Jahren den Auftrag, die Steuerformulare geschlechtergerecht zu modernisieren – nur eben wenig erfolgreich, wie der Steuerzahlerbund richtig bemerkte. Die Modernisierung  ist auch richtig, weil es immer mehr zusammen veranlagte Lebensgemeinschaften gibt, die nicht nach dem klassischen Muster Hauptverdiener/ Zuverdienerin laufen. Wir finden es also durchaus an der Zeit, dass die Gleichberechtigung auch auf den Steuerformularen ihren Niederschlag findet.

Mehr als um steuerliche Gleichberechtigung auf dem Papier geht es uns Grünen um die steuerliche Gleichberechtigung in der Realität. Das heißt weg zu kommen, von einer Familienförderung über das Ehegattensplitting hin zu einer Familienförderung, die alle Kinder in allen Familien erreicht.

Genau das schlägt das Familienbudget im grünen Wahlprogramm jetzt vor: 12 Milliarden mehr für Familien, vor allem für die mit geringem bis mittlerem Einkommen. Das soll für Neuehen, für Unverheiratete und Alleinstehende gelten. Schon Verheiratete können beim Ehegattensplitting bleiben oder freiwillig ins Familienbudget wechseln – was sich für die Allermeisten lohnen würde.

Mit dem Familienbudget wäre auch der Wechsel zur Individualbesteuerung verbunden. Das wäre gerade für die allermeisten Frauen sehr sinnvoll – wie das Deutsche Institut für Wirtschaft gerade in einer Studie wieder belegt hat. Das Ehegattensplitting ist mitschuld an der Altersarmut von Frauen und an Kinderarmut. Es geht also nicht nur um Symbolpolitik, sondern darum, wirklich etwas an gravierenden Ungerechtigkeiten in unserem Land zu ändern.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/gruene-fordern-gleichstellung-in-steuerformularen-a-1145700.html