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Berlin – Hauptstadt der Alleinerziehenden

So heißt ein vor mir eingebrachtes Projekt in unserem Berliner Wahlprogramm 2016. Jedes dritte Kind wird hier von einem alleinerziehenden Elternteil erzogen. Deshalb ist Berlin auch ein Zentrum der Kinderarmut. Denn 40% der Alleinerziehenden bezieht Hartz IV. Es gibt kein größeres Armutsrisiko in Deutschland als Kinder zu haben und alleinerziehend zu sein.

Alleinerziehende haben wenig Geld: sie profitieren nicht vom Ehegattensplitting
Foto: SirName, Photocase, Foto-ID: 197670, "What game shall we play"

 

Dieses Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist nicht nur eine bodenlose Ungerechtigkeit. Es ist auch eine politische Dummheit: Wir alle wissen, dass dieses Land aus vielen Gründen Kinder braucht. Und dass wir es uns nicht leisten können, auch nur ein einziges Kind zurücklassen. Oder ihre Eltern zu demütigen, indem man Ihnen Hartz IV-Sätze kürzt, wenn das Kind einen Tag beim getrennten Partner verbringt. Es braucht ein Gesamtkonzept, um Alleinerziehende zu unterstützen und damit auch Kinderarmut zu bekämpfen.

Alleinerziehende profitieren nicht vom Ehegattensplitting

Denn das Armutsrisiko  hat Gründe. Alleinerziehende werden als Familien benachteiligt. Sie profitieren nicht vom Ehegattensplitting: Deshalb müssen wir hin zu einer Förderung, die jedes Kind erreicht. Unabhängig davon, ob seine Eltern verheiratet sind, alleinerziehend oder ob sie ohne Trauschein zusammen leben. Das beste Mittel dafür ist die Kindergrundsicherung. Sie funktioniert einkommensunabhängig wie ein Kindergeld für alle: Meiner Meinung nach sollten es mindestens 300 € pro Kind sein.

Kindergrundsicherung wäre Ausweg aus Hartz IV

Damit wäre die Kinderarmut zumindest gelindert. Denn unter den Hartz IV-Beziehern sind auch viele sogenannte Aufstocker: also Menschen, die so wenig verdienen, das sie Hartz IV ergänzend bekommen. Sie kämen durch die Kindergrundsicherung aus dem Hartz IV-Bezug heraus: Sie hätten 110 € im Monat mehr und das ohne den bürokratischen Aufwand.

Flexible Kinderbetreuung auch abends

Entgegen landläufigen Vorurteilen arbeiten nämlich die meisten Alleinerziehenden. Trotzdem sind ihre Verhältnisse oft prekär. Häufig, weil sie nur Teilzeit arbeiten. Denn es gibt sehr viele Berufe, die mit normalen Kita-oder Hort-Betreuungszeiten nicht Vollzeit zu leisten sind. Wie soll eine alleinerziehende Polizistin oder ein alleinerziehender Krankenpfleger die Spät- und Nachtschichten organisieren?

Alleinerziehende brauchen eine verlässliche flexible und gute Kinderbetreuung, damit sie existenzsichernde Jobs annehmen können. Die 24-Stunden-Kita der CDU erscheint mir eher als Notaufbewahrung – ohne feste Bezugspersonen für die Kinder.   Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass Tagesmütter und –väter die Kinder von der Kita nachhause bringen und sie dort betreuen, bis die Eltern nachhause kommen. Die Berliner SPD hat unsere Idee der flexiblen Betreuung jetzt aufgegriffen. Zwar in viel zu kleinem Maß – als Modellversuch – aber die Richtung stimmt.

Pakt mit der Wirtschaft

Was aber im Konzept der SPD fehlt, ist ein Pakt mit der Wirtschaft.  Die Politik muss Unternehmen davon überzeugen,  dass sie sich umstellen, wenn sie in Zeiten von Fachkräftemangel Arbeitskräfte binden wollen. Betriebskitas sind dafür eine gute Möglichkeit. Die Unternehmen sollten bei den Arbeitszeiten den Alleinerziehenden entgegen kommen: Indem sie beispielsweise auch 30 Stunden und Home-Office-Tage anbieten.

Projekte vor Ort

Projekte wie das Netzwerk Alleinerziehende sollte es in allen Bezirken geben: In Marzahn-Hellersdorf vermittelt es mit seiner Arbeits- und Ausbildungstour erfolgreich Alleinerziehende. In Charlottenburg-Wilmersdorf wollen wir das erste Berliner Familienzentrum speziell für Alleinerziehende gründen.  Mit solchen Hilfen, mit flexibler Kinderbetreuung, einem Pakt mit der Wirtschaft und der Kindergrundsicherung hätten wir den Rahmen, um Alleinerziehende aus ihrer oft prekären Lebenssituation herauszuhelfen.